„Urlaub in Deutschland ist nicht per se sicherer als im Ausland“

Written by on 30. September 2020

“Pauschalreisende aus Risikogebieten sind keine Gefährder” so DRV-Präsident Norbert Fiebig in einem Interview

Das Konzept des Deutschen Reiseverbands (DRV) einer gestarteten Social-Media-Kampagne in drei Worte fassen: Testen! Testen! Testen!  … mit dem er die für den 15. Oktober geplante Quarantäne-Pflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten doch noch verhindern will.

„Mit dem zielgenauen Einsatz von Tests bei der Einreise nach Deutschland lässt sich die Einschleppung des Coronavirus wirksam unterbinden. Im Gegensatz zum nicht zu kontrollierenden Wegsperren von Reisenden sorgen Tests für eine adäquate Risikominimierung. Unsere Losung lautet: Test statt Quarantäne.“

Unter dem Motto “Corona-Test statt Stubenarrest” wendet sich der Verband damit gegen die von der Bundesregierung geplante Änderung der Einreisebestimmungen nach Deutschland. Demnach müssen sich vom 15. Oktober an alle Reiserückkehrer, die aus einem Corona-Risikogebiet nach Deutschland zurückkommen, in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Am fünften Tag können sie jedoch einen Corona-Test machen, der bei negativem Ergebnis zu einem vorzeitigen Ende der Quarantäne führt.

Corona-Test statt Stubenarrest

Corona-Test statt Stubenarrest

Bislang reicht es, wenn sich Rückkehrer aus Risikogebieten höchstens 48 Stunden vor oder bis zu 48 Stunden nach Wiedereinreise in Deutschland einem solchen Test unterziehen. Dieser ist verpflichtend und kostenfrei. Lediglich das Ergebnis der Untersuchung, das meist nach 24 bis 72 Stunden vorliegt, muss in Quarantäne abgewartet werden.

In den Augen des DRV handelt es sich bei der mindestens fünftägigen verpflichtenden Quarantäne um eine “unverhältnismäßige” Maßnahme. Das sei der “falsche Weg, und er führt die Reisewirtschaft auf direktem Weg in einen zweiten Lockdown”, befürchtet Fiebig. Auch mit Tests direkt bei Einreise lasse sich die Einschleppung des Virus wirksam unterbinden.

Die Bundesregierung stellt ihr System um, da zum einen die personellen Testkapazitäten für Urlaubsrückkehrer nicht ausreichen. Sie sollen stattdessen den Risikogruppen etwa in Altersheimen zur Verfügung stehen.

Der DRV warnt jedoch davor, dass die neuen Quarantäne-Regelungen sich nicht hinreichend kontrollieren lassen. Rückkehrer aus Risikogebieten könnten sie bewusst umgehen und die Bevölkerung damit einem erhöhten Risiko aussetzen.

Auslandsreisen zu stigmatisieren sei nicht sachgerecht und verunsichere die Menschen. Pauschalreisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, stellen keine wirklich bedeutende Gefahr dar, betonte der DRV-Präsident. Darüber hinaus finden die allermeisten Infektionen – rund zwei Drittel – im privaten Umfeld statt, bei Familienfeiern oder im Freundeskreis.

„Urlaub in Deutschland ist nicht per se sicherer als im Ausland“, so Fiebig

Die meisten Ansteckungen erfolgten durch Familienpartys wie beispielsweise der Großhochzeit kürzlich in Hamm sowie durch Rückkehrer im ethnischen Verkehr.

“Dem Robert-Koch-Institut liegen genaue Daten vor, welche Reiserückkehrer ein erhöhtes Risiko haben, das Coronavirus nach Deutschland zu bringen”, sagt Fiebig. “Rückkehrer von Familienbesuchen aus dem Kosovo zum Beispiel tragen Covid-Infektionen nach Deutschland zurück, Spanien-Urlauber nicht. Die Infektionsquote bei  Kosovo-Rückkehrern liegt aktuell bei über fünf Prozent, bei Spanien-Rückkehrern gerade mal bei 0,26 Prozent.”

Auch der internationale Luftfahrtverband Iata hat sich auf seiner jüngsten (virtuellen) Sitzung für die Test-Methode anstelle der Quarantänepflicht ausgesprochen. Nur dadurch sei zu verhindern, dass der Luftverkehr erneut gänzlich zum Erliegen komme. Iata und auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr verweisen auf einen neuen Schnelltest, der innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis bringe. Negativ Getestete könnten auf diese Weise recht gefahrlos wieder reisen.

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